DFG-Projekt AlgoWork
Algorithmische Steuerung: Implikationen für Arbeitskräfte aus einer Legitimitätsperspektive

Ziel des Forschungsprojekts:

Das übergeordnete Ziel des Forschungsprojekts AlgoWork ist es, die konzeptuelle Bedeutung von algorithmischer Steuerung (Algorithmic Control; kurz: AC) und deren Implikationen für Arbeitskräfte zu untersuchen. AC bezeichnet den managementbezogenen Einsatz von Algorithmen und modernen Informationstechnologien (IT) zur automatisierten Steuerung von Arbeitskräften.

Obwohl AC zunehmend in plattformbasierten und traditionellen Organisationen zur Steuerung von sowohl gering- als auch hochqualifizierten Arbeitskräften eingesetzt wird, sind die spezifischen Eigenschaften von AC und dessen Implikationen für Arbeitskräfte noch kaum erforscht. Dies lässt sich mitunter auf den nahezu exklusiven Fokus der Information Systems-Forschung auf traditionelle Steuerungsbeziehungen zwischen Managern und Mitarbeitern in IT- Kontexten (z. B. IT-Projekten) zurückführen. Hieraus ergibt sich ein aus Praxis- und Forschungssicht relevanter Bedarf, die Auswirkungen von AC auf Arbeitskräfte und deren Verhalten zu erforschen.

AlgoWork verfolgt zwei konkrete Ziele: Basierend auf theoretischen Vorarbeiten und umfassenden empirischen Tests soll zum einen ein konzeptuelles Rahmenwerk für AC sowie ein zugehöriges Messinstrument entwickelt werden. Durch die Kombination von “Top-down”- (systematische Literaturanalyse) und „Bottom-up“-Ansätzen (qualitative Analyse von AC-Praktiken) soll insbesondere ein detailliertes konzeptuelles Begriffsverständnis von AC und dessen zentralen Dimensionen erarbeitet werden, welches dann zur Entwicklung eines umfassenden und kohärenten Rahmenwerks und zugehöriger validierter Messskalen genutzt wird. Dadurch leistet AlgoWork einen wichtigen Beitrag zur fundierten Weiterentwicklung der konzeptuellen Grundlagen der Forschung zu algorithmischer Steuerung und zugleich essentielle Vorarbeiten für die erfolgreiche Durchführung künftiger empirischer Studien.

Zum anderen sollen die Implikationen von AC für Arbeitskräfte aus einer Legitimitätsperspektive empirisch untersucht werden, um die nach wie vor eher spärliche Forschung zu algorithmischer Steuerung auf individueller (Mikro-) Ebene voranzubringen sowie um ein differenzierteres Verständnis zu schaffen, wie Arbeitskräfte AC-Praktiken wahrnehmen, ihre Legitimität bewerten und darauf reagieren. Basierend auf einer Serie von empirischen Untersuchungen soll insbesondere untersucht werden, welche AC-Eigenschaften positive oder negative Reaktionen bei Arbeitskräften auslösen und inwieweit bzw. warum es zu unterschiedlichen Reaktionen in verschiedenen Arbeitskontexten (in Bezug auf Arbeits- und Organisationstyp) kommt. Die daraus resultierenden Projektergebnisse sollen neue Einblicke hinsichtlich des ethisch verantwortungsvollen Designs und Einsatzes von AC und auch hinsichtlich der Ausgestaltung möglicher regulatorischer Eingriffe liefern. Vor diesem Hintergrund gliedert sich das Projekt nahtlos in das breitere Forschungsfeld zur „Zukunft der Arbeit“ ein und kann auch dort wertvolle Forschungsbeiträge leisten.

Eckdaten:

Ansprechpartner:

Projektlaufzeit: Dezember 2021 – November 2025

Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Abschlussbericht zum DFG-Forschungsprojekt AlgoWork

Das DFG-Forschungsprojekt „Algorithmic Control: A Legitimacy Perspective on Worker-level Implications“ (AlgoWork) unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Benlian (TU Darmstadt) und Prof. Dr. Martin Wiener (TU Dresden) wurde nach vierjähriger Förderphase erfolgreich abgeschlossen.

Der veröffentlichte Abschlussbericht bietet eine umfassende Übersicht über die zentralen Ergebnisse und Forschungsbeiträge des Projekts:

  • Konzeptionelle Grundlagen: Entwicklung eines erweiterten Rahmenwerks für algorithmische Steuerung (AC), eines Messinstruments sowie einer Taxonomie und Typologie von AC-Systemen (u. a. die Archetypen Coach, Orchestrator, Overseer und Organizer).
  • Legitimitätsurteile in Organisationen: Empirische Erkenntnisse darüber, wie Ausgestaltung, Transparenz und organisationale Einbettung von AC-Systemen die Wahrnehmung von Arbeitskräften in traditionellen Unternehmen prägen.
  • Reaktionen in der Plattformarbeit: Untersuchung von Technostress und Entwicklung eines prozesstheoretischen Modells zur Erklärung algoaktivistischer Praktiken und des Widerstands von Plattformbeschäftigten.
  • Praxis- und Politikempfehlungen: Orientierungshilfen für die menschenzentrierte und wirksame Gestaltung KI-gestützter Managementsysteme.

Den vollständigen Bericht mit allen Details zu den Teilprojekten und Publikationen können Sie hier herunterladen:

DFG Final Report: Algorithmic Control – A Legitimacy Perspective on Worker-level Implications (AlgoWork) (PDF-Datei) (wird in neuem Tab geöffnet)